Leichtathletik Region
Ostfriesland e.V.
Portrait: Ernst Schulz läuft auch noch mit 90 Jahren
Ernst Schulz vor einigen seiner Pokale
Ostfriesen-Zeitung - Wie viele Urkunden, Pokale, Medaillen und Ehrennadeln er in seinem Leben gewonnen hat, kann Ernst Schulz wirklich nur grob schätzen. „Es müssen wohl einige Hundert sein“, sagt der begeisterte Läufer, der am Montag 90 Jahre alt geworden ist. Als junger Mann ist er zum Laufen gekommen, hat seitdem unzählige Wettkämpfe bestritten : und meist gewonnen. Für Ostfriesland ist der Veenhuser so etwas wie ein Laufpionier. Schulz gilt als erster Marathonläufer der Region. „1968 bin ich beim Marathon in Wilhelmshaven angetreten“, erinnert er sich.
Seinen ersten Lauf hat der gebürtige Stralsunder allerdings schon viel früher absolviert. „Als 20-Jähriger habe ich das Sportabzeichen gemacht. Dazu gehört das Laufen, und ich habe gemerkt, dass mir das liegt“, sagt er. Auch als Soldat im Zweiten Weltkrieg und später in der Kriegsgefangenschaft in Kanada hat ihn die Begeisterung für den Sport nicht losgelassen. Als er 1947 aus der Kriegsgefangenschaft nach Veenhusen kam, fand er in läuferischer Hinsicht ein Entwicklungsland vor. „Laufgruppen gab es hier überhaupt nicht und so bin ich allein losgezogen“, sagt Schulz. Seinen ersten Wettkampf nach dem Krieg brachte er 1953 beim Waldlauf in Hesel hinter sich.

Zehn Jahre später lernte er Werner Ostermeyer von Germania Leer kennen. Dieser holte Schulz in die Germania-Laufabteilung und von nun an ging es Schlag auf Schlag. Landesmeisterschaften, Norddeutsche Meisterschaften und so weiter. Schulz lief, und meistens belegte er einen der vorderen Plätze. Noch heute wird sein Name in vielen Bestenlisten geführt. „Wenn ich angetreten bin, wollte ich auch gewinnen.“ Wie zum Beweis holt er einen Stapel Urkunden aus der Schublade. Fein säuberlich gebündelt und sortiert nach ersten, zweiten und dritten Plätzen.
Die Distanzen waren dabei fast egal. „Von 1000 Metern bis 100 Kilometer Länge war alles dabei“, erinnert sich Schulz. Zu den größten Herausforderungen seines Läufer-Lebens gehörte der 100-Kilometer-Lauf in Biel in der Schweiz im Jahr 1973. „Das war schon etwas ganz besonderes.“
Seine Frau Gretchen und seine fünf Töchter haben seine Lauf-Leidenschaft immer unterstützt. „Auch wenn es manchmal sicher nicht leicht war, an den Wochenenden auf den Ehemann und Vater zu verzichten“, meint Schulz. Mitgelaufen ist Gretchen Schulz allerdings nie.
Auch im fortgeschrittenen Alter hat Ernst Schulz die Laufschuhe noch nicht eingemottet. Im vergangenen Jahr ist er eine Etappe beim Ossiloop mitgelaufen, in diesem Jahr will er zum 40. Mal sein Sportabzeichen ablegen. Wie er sich die vielen Jahre fit gehalten hat? „Ich habe so viele Wege wie möglich zu Fuß zurückgelegt, das Auto und das Fahrrad stehen gelassen. Alkohol und Zigaretten waren immer tabu“, erzählt er, während er einen Ordner mit Zeitungsausschnitten durchblättert. Die Artikel erzählen ostfriesische Laufgeschichte : und ein Stück von Ernst Schulz´ Leben. , 


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