Leichtathletik Region
Ostfriesland e.V.
Leichtathletik vor 50 Jahren
ergg - In der Nachkriegszeit waren häufig prominente Sportler in Ostfriesland zu Gast. Aus ganz Deutschland kamen Leichtathleten nach Aurich und Norden, um gegen die ostfriesischen Meister anzutreten. Nicht, weil sich in Ostfriesland die Elite traf - den Athleten ging es um die attraktiven ostfriesischen Preise: Kartoffeln und Speck. Vor 50 Jahren „Das hat sich schnell herum gesprochen“, erinnert sich Herbert Sager, der damals in der Leichtathletik-Abteilung des MTV Aurich - bis 1951 hieß der Verein noch TuS Aurich - gearbeitet hat. Da es in den Großstädten wenig zu essen gab, war das Leichtathletik-Fest am Himmelfahrtswochenende in Aurich sehr beliebt. Über 2 000 Zuschauer kamen dorthin. Mit rund 400 Teilnehmern waren die Wettkämpfe in Aurich und Norden die größten in ganz Norddeutschland. Etwa 150 Athleten kamen allein aus Heidelberg, Berlin, Frankfurt und Göttingen. Namhafte Spitzensportler wie der Olympiasieger über 3 000 Meter Hindernis, Dompert, oder die vielmalige Deutsche Meisterin über 80 Meter Hürden, Maria Sander-Domagalla, reisten nach Ostfriesland. Was die Athleten für Kartoffeln und Speck so alles in Kauf nahmen: Ein Vereinsheim gab es damals auf dem Ellernfeld noch nicht; an Duschen oder Umkleidekabinen war nicht einmal zu denken. Die selbst getischlerten Balken für die Weitsprunganlagen nike air max pas cher , jordan pas cher , christian louboutin pas cher , louis vuitton pas cher wurden permanent geklaut - schließlich war das gutes Brennholz. Das Wettkampfbüro war ein Tisch an der Aschenbahn. Büroleiterin war Natalie Sager, die Frau von Herbert Sager. Während des Wettkampfes gingen alle Ergebnisse bei ihr ein. 40 Kampfrichter sorgten dafür, dass in den Wurf- und Sprungdisziplinen die Ergebnisse richtig abgenommen wurden. Um die Läufer kümmerte sich das Ehepaar Sager. Herbert Sager stand mit einem Megafon und später mit einem Mikrofon am Rand der Aschenbahn und gab langsam die Namen und die Zeiten durch. Natalie Sager übernahm die Daten und schrieb kleine Zettel für die Läufer, die eine Runde weiter gekommen waren. „Das wurde alles mit Skriptol auf Papier geschrieben“, erinnert sie sich. Einmal kam ein Windstoß und die ganze wasserfeste Farbe lief ihr über das Kleid. Von Aurich aus ging es für die Spitzensportler mit dem Zug weiter nach Norden. „Dort gab es ja noch mal Kartoffeln“, schmunzelt Sager. Die ostfriesischen Sportler kamen per Lastwagen oder Fahrrad. Und die Zuschauer strömten in Scharen herbei. „4 000 in Norden“ titelte die Nordwestzeitung am 23. Mai 1947. Maria Sander-Domagalla siegte im Hundert-Meter-Lauf in 13,5 Sekunden vor V. Eberhardt (Kickers Emden) und Marianne Janssen (TV Norden). Über 3 000 Meter wurde der Norder Ihno Ocken Dritter. „Obwohl es nichts zu essen gab und ich tagsüber Torf gegraben habe, war ich noch verrückt nach Sport“, wundert sich Ocken heute. Er hat das Leichtathletikfest noch gut in Erinnerung: „Es gab kein Vereinsheim. Aber Onno Janssen wohnte direkt am Sportplatz.“ In dessen Wohnung wurden die Listen und Urkunden geschrieben. „Heute ist es mir ein Rätsel, wie wir das geschafft haben“, sagt Ihno Ocken. So geht es auch Herbert und Natalie Sager: „Wenn man so zurück denkt, ist das unvorstellbar.“

[2589]