Leichtathletik Region
Ostfriesland e.V.
Brasilianer beim Ossiloop
Ostfriesen-Zeitung - Bei der vierten Etappe des Ossiloops benötigte gestern Sieger Stefan Immega (LT Schafhauser Wald) für die 13,7 Kilometer von Holtrop bis nach Plaggenburg 45:52 Minuten. Rund eine halbe Stunde später erreichte der Mann mit der Nummer 90 das Ziel. Doch Ezio Campos rechnet nicht in Minuten und Sekunden. Der Mann aus Sao Paulo investiert Tage und Wochen für den Lauf. Denn sein Ossiloop führt von Brasilien bis nach Bensersiel.
„Ich bin begeistert von dieser Veranstaltung. So etwas kenne ich aus meiner Heimat nicht“, lächelte der 60-Jährige gestern vor dem Start. Nach Ostfriesland hat ihn Helga Christians aus Hage gelotst, die sich früher als Spielerin und Funktionärin im Damenfußball einen Namen gemacht hat. „Wir haben uns im Internet kennen gelernt“, erzählt die 55-Jährige.
Von E-Mail zu E-Mail verstanden sich die Ostfriesin und der Brasilianer besser. Im Dezember reiste dann Helga Christians mit ihrem Ehemann Erwin nach Südamerika. Sie trafen sich dort auch mit Ezio Campos. „Es war traumhaft“, sagt Helga Christians. Und in Brasilien kam dann die Idee, den Gegenbesuch von Campos für die Ossiloop-Zeit zu planen.
So wohnt der Brasilianer für drei Wochen in Hage und ist auf allen Etappen des Ossiloops mit dabei. Vor dem gestrigen Abschnitt lag er auf Rang 520 der Gesamtwertung. Auch Helga Christians läuft mit. Sie kann aufgrund einer Achillessehnen-Verletzung aber nicht mit ihrem Gast mithalten. „Egal, es macht uns Spaß.“ Ezio Campos hat nur ein Problem. „Er friert manchmal ein bisschen“, sagt Helga Christians. In Brasilien ist zwar gerade Winter. „Aber das heißt 25 Grad“, lacht Campos.
Gestern schien immerhin die Sonne. Das genossen die vielen Leute an der Strecke ebenso wie die Athleten. Neben Ex-Fußballerin Helga Christians waren auch andere Sportler verschiedenster Disziplinen am Start. Überragend lief dabei erneut Ex-Box-Niedersachsenmeister Andrée Schultz aus Emden. Er gehörte wieder einmal zu den schnellsten 20 der Etappe. „Als Boxer braucht man eben Kondition“, meint er. „Aber dass es bei meinem ersten Ossiloop so gut läuft, hätte ich nie gedacht.“ Schließlich verabschiedete sich der Familienvater bereits 2002 vom Hochleistungssport. Von den aller schnellsten Athleten war Schultz gestern aber noch einige Minuten entfernt.
Vorne an der Spitze lieferten sich Stefan Immega (LT Schafhauser Wald) und Jörn Schmidt (DSC Oldenburg) erneut einen harten Zweikampf. „Er hat mehrfach versucht mich abzuhängen“, schildert der Sieger den Rennverlauf. Stefan Immega blieb Schmidt aber auf den Fersen.
Nach 11,5 Kilometern startete dann der spätere Sieger einen Angriff. Er hatte Erfolg und lief bis ins Ziel noch einen Vorsprung von 18 Sekunden heraus. In der Gesamtwertung führt Immega nun mit 41 Sekunden Differenz. „Das heißt nicht viel“, sagt er. „Es bleibt ein harter Kampf bis nach Bensersiel.“

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