Leichtathletik Region
Ostfriesland e.V.
Norder Talent Thielecke-Klein im Findungsprozess
Vielseitig: Paul Thielecke-Klein
Ostfriesischer Kurier - Zum Gesprächstermin in den Räumlichkeiten des Schnellrestaurants erscheint Paul Thielecke-Klein mit leichter Verspätung – er musste sich erst noch Musik auf den MP3-Player laden. Seine Mutter fährt den 21-Jährigen im schnittigen Sportwagen vor. Anschließend geht es mit dem Zug weiter nach Hannover. Bei Leichtathletik-Kollegen gönnt sich „Paule“ ein erhlsames Wochenende, was im fast abgelaufenen Jahr äußerst selten vorkam. Der Sport steht beim größten Norder Talent ganz obenan. „Ich habe mir viel vorgenommen“, betont der frisch gebackene Abiturient, der sich im Sommer mit dem Reifezeugnis in der Tasche vom Ulrichsgymnasium verabschiedet hat.
Derzeit befindet sich „Paule“ allerdings noch im Findungsprozess. Die Frage ist, ob er den Schwerpunkt weiter auf den Zehnkampf legt oder sich doch auf die 100-Meter-Sprintstrecke spezialisiert. Als er die dritte Klasse der Grundschule Im Spiet besuchte, deutete Thielecke-Klein erstmals sein Potenzial an. Bei den Bundesjugendspielen stach er auch die älteren Jahrgänge aus. Er sammelte die meisten Punkte aller Pennäler. Die Auszeichnung als bester Sportler des Jahres war ihm gewiss. „Meine Sportlehrerin Frau Itzenga hat mir damals den Tipp gegeben, mich beim Norder TV anzumelden“, kann sich der Anhänger des SV Werder Bremen noch gut an seine Anfänge als Leichtathlet erinnern.
Thielecke-Klein genoss wie Frank Müller, der spätere zweifache Teilnehmer an den Olympischen Spielen, und andere Top-Athleten des NTV die vielseitige Ausbildung bei Trainerin Ingrid Eilers. Die inzwischen 79-Jährige, die nach wie vor viermal pro Woche in der Halle oder auf dem Sportplatz steht, brachte ihm Sprinten, Weit- und Hochsprung, Kugelstoßen oder Hürdenlauf bei. Bei seinem ersten Wettkampf belegte der gebürtige Hesse, der im Alter von acht Jahren von Gießen nach Norden zog, den zweiten Rang. Ehrgeizig wie er damals schon war, fühlte er sich mehr als erster Verlierer denn als Gewinner der Silbermedaille. Um sich ganz auf die Leichtathletik zu konzentrieren, verabschiedete er sich mit zwölf Jahren von seinem zweiten Hobby Fußball: Die D-Junioren des FC Norden mussten sich einen neuen Torwart suchen.

Nach einem kleinen Durchhänger und Meinungsverschiedenheiten mit Trainer Edzard Alberding nahm Hans-Bernd Eilers den damals 17-Jährigen unter seine Fittiche. „Paul ist zu einer Persönlichkeit gereift“, lobt der Coach seinen Schützling. Thielecke-Klein hat beim NTV auf Eilers’ Anraten als zweiter Sportler nach Christian Kaufmann das Freiwillige Soziale Jahr (FJS) angetreten, anstatt den angedachten Auslandsaufenthalt zu wagen. Anschließend wird studiert, voraussichtlich Jura in Hannover. Jeden Nachmittag arbeitet er jetzt mit dem jüngsten Leichtathletik-Nachwuchs auf dem Wildbahngelände. Zeit zum eigene Training bleibt da noch genug. Sieben bis acht anstrengende Einheiten mit Deich- oder Treppenlaufen im Motodrom Halbemond oder Kraftzirkel stehen pro Woche auf dem Programm.
„Ich quäle mich gern beim Training“, grinst Thielecke-Klein. Besonders wichtig bei aller Schinderei: Das intensive Aufwärmen, viel Gymnastik und die Übungen zur Stabilisierung der Muskulatur. „Ich glaube, dass ich deshalb auch seit über zwei Jahren von Verletzungen verschont geblieben bin und mich deshalb so gut entwickeln konnte“, sagte der 1,81 m lange Athlet. Die Formkurve des Hobby-Pokerspielers, der gern mal im Freundeskreis die Karten auspackt und die Sonnenbrille zur Tarnung aufsetzt, zeigt jedenfalls stetig nach oben. In diesem Jahr hat er es auf rekordverdächtige fünf Auftritte bei den Deutschen Meisterschaften gebracht. „Das hat meiner Meinung nach nicht einmal Frank Müller geschafft“, vermutet Eilers.
Höhepunkt war die Bronzemedaille mit dem NTV in der Mannschaftswertung bei der Zehnkampf-DM in Vaterstetten. Dort sorgte der Norder auch für den Paukenschlag: Über die 100 m – der Auftaktdisziplin – verbesserte er seine Bestzeit auf 10,79 Sekunden – bei lausigen zehn Grad Celsius und völliger Windstille. „Da habe ich natürlich gemerkt, dass ich über die 100 m gutes Potenzial besitze“, so Thielecke-Klein, der sich aber noch nicht festlegen will, ob er dem Zehnkampf treu bleibt oder künftig ausschließlich spurtet. „In der Hallensaison konzentriere ich mich auf den Sprint, dann sehen wir weiter.“

[5046]
Ergebnisse
Termine