Leichtathletik Region
Ostfriesland e.V.
Lauftraining einmal anders
rrrrr - Am Sonntag findet in Hamburg der 17. HansaplastMarathon statt. Mehr als 18.000 Läufer und 2500 Skater machen sich auf die 42,195 km lange Strecke durch die Elbmetropole. Auch Werner Holtgrefe aus Aurich wird am Start sein. Was den Richtbohrmeister von allen anderen Marathonis unterscheidet, ist sein ungewöhnliche Trainingsprogramm. Viele Stunden verbrachte er in stürmischer Nordsee auf dem Laufband. Wie bereiten sich Ostfriesen auf einen Marathon vor? Ganz einfach: Sie rennen jede Woche 100 Kilometer - und zwar immer auf der Stelle. Warum? Weil sie Angst vorm Verlaufen haben. Dies ist kein neuer, platter Ostfriesen-Witz, sondern Realität. Zumindest für Werner Holtgrefe von der LG Ostfriesland. Der 45-Jährige Auricher hat keine andere Wahl. Er arbeitet nämlich auf einer Bohrinsel. Sein Lebensraum: eine 4,5 mal 2,5 Meter große Kabine plus Duschnische. Sein „bester Freund“: ein Laufband. „Meine Wechselschicht dauert zwölf Stunden, danach laufe ich im Fitness-Raum. Meistens fünf- bis sechsmal pro Woche“, erklärt der Richtbohrmeister. Die längste Laufband-Einheit ging über 37 Kilometer - Ausdauer-Training für zähe Typen. „Ich möchte gern beim 17. Hansaplast Marathon meinen Rekord von 3:13 Stunden unterbieten. Vielleicht klappt es ja sogar mit einer Zeit unter 3:00 Stunden“, hofft Holtgrefe für seinen fünften Start über 42,195 Kilometer. Hart erarbeitet hat sich der gebürtige Dortmunder fast alles im Leben: In den 70er Jahren absolvierte er eine Bäckerlehre, danach war Werner „Küchenbulle“ bei der Bundeswehr, später Fernfahrer. 1979 dann der Wechsel in die Ölbranche: Als Bohrarbeiter fing er an - ein Knochenjob. Er spezialisierte sich auf Richtbohrtechnik, machte Karriere beim US-Konzern Baker Hughes (27000 Mitarbeiter). Heute leitet er ein Team von fünf Kollegen, überwacht zumeist am Computer den Einsatz der Werkzeuge. Alle Bohrkoordinaten müssen ständig kontrolliert werden, damit am Ende nicht nur „heiße Luft“ rauskommt... Rund 80.000 Barrel Öl produziert ein Bohrloch am Tag. Das sind mehr als 12,7 Millionen Liter. Nebenbei lernte „der Mann aus dem Meer“ zwei Sprachen fließend: Englisch und Norwegisch. „Allein im norwegischen Raum kenne ich mehr als 30 Bohranlagen“, erklärt er. Die Laufkarriere startete der 1,86 Meter große und 79 Kilogramm schwere Ostfriese vor sieben Jahren. „Ich war zu dick, habe geraucht und mich viel zu wenig bewegt“, sagt er. Seit 2000 trainiert Holtgrefe konsequent nach den Plänen von „Marathon-Guru“ Peter Greif. „Ohne die Unterstützung meiner Familie würde ich dieses Pensum aber gar nicht schaffen“, erklärt er. Und so freuen sich denn auch seine drei Kinder Denis (17), Sabrina (14) und Patrick (10) schon darauf, wenn ihr Vater das nächste Mal nach drei Wochen Arbeit für drei Wochen nach Hause kommt. Und - hoffentlich - nicht mehr über die „magischen“ drei Stunden spricht ...

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